Sumeo

Zero Data Retention (ZDR)

Von Christian Synoradzki · Aktualisiert am

Zero Data Retention (ZDR) ist eine Vereinbarung mit einem KI-Anbieter, nach der dieser Ihre Eingaben und die Antworten des Modells nach der Verarbeitung nicht speichert. Die Daten werden nur für die Dauer der Anfrage verwendet.

Wer Kundendaten, Verträge oder interne Zahlen an ein Sprachmodell schickt, will wissen, was danach damit passiert. Ohne besondere Vereinbarung bewahren viele Anbieter Anfragen eine Zeit lang auf. ZDR ist die strengste Variante: Nach der Antwort ist nichts mehr da.

Woher der Begriff stammt

„Zero Data Retention“ heißt wörtlich null Datenaufbewahrung. Der Begriff hat sich bei den großen Anbietern von Sprachmodellen für Firmenkunden eingebürgert, die ihre Modelle über eine Programmierschnittstelle nutzen.

Anthropic beschreibt ZDR so: Unter einer ZDR-Vereinbarung speichert Anthropic Eingaben und Antworten nach der Rückgabe der Antwort nicht. ZDR wird pro Organisation eingeschaltet, über das Vertriebsteam. Andere Anbieter haben ähnliche Angebote mit eigenen Bedingungen.

Was Zero Data Retention genau umfasst

ZDR betrifft die Inhalte: Ihre Eingaben und die Antworten des Modells. Wie weit es reicht, legt jeder Anbieter selbst fest. Bei Anthropic gilt zum Beispiel:

  • ZDR gilt für bestimmte Schnittstellen, etwa die Messages API, und nur für Funktionen, die als geeignet gekennzeichnet sind.
  • Funktionen, die Daten zwangsläufig ablegen, etwa Dateien oder Code-Ausführung, fallen nicht darunter. Wer sie nutzt, verlässt für diese Daten die ZDR-Vereinbarung.
  • Bestimmte Modelle verlangen eine Aufbewahrung von 30 Tagen und sind deshalb ohne ausdrückliche Freigabe nicht unter ZDR verfügbar.

Auch innerhalb von ZDR gibt es Ausnahmen. Bei Claude Code nennt Anthropic etwa Nutzungsstatistiken, die gespeichert werden können, wenn die Protokollierung von Kennzahlen eingeschaltet ist. ZDR heißt also nicht, dass der Anbieter gar nichts über Ihre Nutzung weiß.

Abgrenzung zu ähnlichen Begriffen

Kein Training mit Ihren Daten: Viele Anbieter sagen zu, Firmendaten nicht zum Training zu verwenden. Das ist weniger streng als ZDR. Die Daten können trotzdem eine Zeit lang gespeichert sein.

Open-Weight-Modell auf eigenem Server: Hier verlassen die Daten Ihr Haus gar nicht erst. ZDR verringert nur, wie lange sie beim Anbieter liegen.

Prompt Caching: Beim Zwischenspeichern hält der Anbieter Teile der Anfrage kurz vor. Ob das mit ZDR vereinbar ist, regelt der Anbieter. Anthropic führt solche Fälle in seiner Übersicht gesondert auf.

Was das für Ihr Unternehmen bedeutet

ZDR ist eine Möglichkeit, leistungsfähige Cloud-Modelle zu nutzen und trotzdem die Spuren beim Anbieter klein zu halten. Prüfen Sie dabei drei Punkte:

  • Für welche Schnittstellen und Funktionen gilt die Vereinbarung genau?
  • Welche Modelle stehen unter ZDR zur Verfügung?
  • Welche Ausnahmen gibt es, und was bleibt trotzdem gespeichert?

Ob ZDR, ein Cloud-Modell mit normaler Aufbewahrung oder ein eigener Server am besten passt, hängt von Ihren Daten und Abläufen ab. Die technischen Möglichkeiten besprechen wir in einer KI-Beratung. Rechtliche Fragen klären Sie bitte mit Ihrer Rechtsberatung oder Ihrem Datenschutzbeauftragten.

Grenzen dessen, was man sicher weiß

Was ZDR im Einzelnen umfasst, steht in den Verträgen und Dokumentationen der Anbieter und ändert sich mit neuen Funktionen und Modellen. Anthropic weist selbst darauf hin, dass im Zweifel die Vertragsbedingungen gelten.

Von außen lässt sich nicht überprüfen, ob ein Anbieter Daten wirklich nicht speichert. Sie verlassen sich auf seine Zusage und auf unabhängige Prüfberichte, sofern er welche vorlegt.

Häufig gestellte Fragen

Gilt Zero Data Retention automatisch für jedes KI-Konto?

Nein. Bei Anthropic muss ZDR beim Vertrieb angefragt und für jede Organisation einzeln eingeschaltet werden. Die normalen Chat-Oberflächen für Teams sind laut Anthropic nicht ZDR-fähig. Fragen Sie bei Ihrem Anbieter nach, was für Ihr Konto gilt.

Gilt ZDR für alle Funktionen eines Anbieters?

Meist nicht. Funktionen, die Daten zwangsläufig ablegen, etwa hochgeladene Dateien oder Aufträge, die im Hintergrund laufen, sind oft ausgenommen. Anthropic führt dafür eine Tabelle, welche Funktionen unter ZDR fallen und welche nicht.

Ersetzt ZDR einen eigenen KI-Server?

Nicht ganz. Mit ZDR verlassen Ihre Daten Ihr Haus trotzdem, sie werden beim Anbieter nur nicht dauerhaft abgelegt. Bei einem eigenen Server bleiben sie vollständig bei Ihnen. Welche Lösung passt, hängt von der Art Ihrer Daten ab.

Quellen

Siehe auch: Open-Weight-Modell , Schatten-KI , Prompt Caching

Sie möchten wissen, was das für Ihr Unternehmen bedeutet? Vereinbaren Sie ein kostenloses Beratungsgespräch.

Kostenloses Beratungsgespräch