Function Calling
Von Christian Synoradzki · Aktualisiert am
Function Calling ist die Fähigkeit eines Sprachmodells, statt einer Textantwort einen strukturierten Aufruf für ein Programm zu erzeugen, etwa „Termin anlegen am 5. November um 10 Uhr“, den eine Anwendung dann ausführt.
Ohne diese Fähigkeit kann ein Sprachmodell nur schreiben. Mit ihr kann es Daten abfragen, Einträge anlegen und andere Programme bedienen. Function Calling ist damit die Grundlage für fast alles, was über einen reinen Chat hinausgeht.
Woher der Begriff stammt
OpenAI hat Function Calling im Juni 2023 für seine Modelle eingeführt. Entwickler konnten ihre Funktionen beschreiben, und das Modell lieferte bei passenden Anfragen die nötigen Angaben in einem festen Datenformat zurück. Andere Anbieter zogen nach.
Heute heißt dieselbe Fähigkeit oft auch „Tool Use“, also Werkzeugnutzung. Anthropic verwendet in seiner Dokumentation beide Begriffe für dasselbe.
Was Function Calling genau tut
Der Ablauf hat vier Schritte:
- Beschreiben: Die Anwendung teilt dem Modell mit, welche Funktionen es gibt. Zu jeder Funktion gehören ein Name, eine kurze Beschreibung und die nötigen Angaben, etwa „Datum“ und „Uhrzeit“.
- Entscheiden: Das Modell liest die Anfrage des Nutzers und entscheidet, ob es eine Funktion braucht. Laut Anthropic orientiert es sich dabei an der Anfrage und an der Beschreibung des Werkzeugs.
- Ausführen: Das Modell gibt einen Aufruf mit allen Angaben zurück. Die Anwendung führt ihn aus, zum Beispiel im Kalender.
- Antworten: Die Anwendung schickt das Ergebnis zurück an das Modell. Das Modell formuliert daraus eine Antwort für den Nutzer.
Wichtig ist Schritt 3: Das Modell selbst greift nicht in Ihre Systeme ein. Es schlägt einen Aufruf vor. Ihre Anwendung entscheidet, ob und wie er ausgeführt wird. Genau an dieser Stelle lassen sich Prüfungen und Freigaben einbauen.
Abgrenzung zu ähnlichen Begriffen
Model Context Protocol: MCP baut auf Function Calling auf. Es legt fest, wie Werkzeuge beschrieben, gefunden und angeschlossen werden, sodass ein Werkzeug mit vielen KI-Anwendungen funktioniert. Function Calling ist die Fähigkeit des Modells, MCP der Standard für den Anschluss.
Agentic AI: Ein Agent ruft in einer Schleife viele Funktionen nacheinander auf und plant selbst die Reihenfolge. Ein einzelner Funktionsaufruf ist noch kein Agent.
Structured Output: Hier liefert das Modell seine Antwort in einem festen Datenformat, etwa als Liste von Feldern. Das ähnelt Function Calling, dient aber dazu, Ergebnisse weiterzuverarbeiten, nicht dazu, eine Aktion auszulösen.
Was das für Ihr Unternehmen bedeutet
Function Calling ist der Weg, über den KI an Ihre vorhandene Software kommt. Typische Beispiele:
- Ein Chatbot schaut den Lieferstatus einer Bestellung nach, statt allgemein zu antworten.
- Ein Voice Agent trägt am Telefon einen Termin in den Kalender ein.
- Eine KI liest eine Rechnung und legt den Beleg mit Betrag und Lieferant in der Buchhaltung an.
Die Qualität hängt stark von den Beschreibungen der Funktionen ab. Eine unklare Beschreibung führt dazu, dass das Modell die falsche Funktion wählt oder Angaben falsch füllt. Planen Sie dafür Zeit ein. Geben Sie dem Modell außerdem nur die Funktionen, die es für die Aufgabe braucht. Funktionen, die etwas löschen oder verschicken, gehören hinter eine Freigabe, siehe Human in the Loop.
Wie wir KI über Funktionsaufrufe an bestehende Systeme anbinden, zeigen wir auf der Seite zur KI-Integration.
Grenzen dessen, was man sicher weiß
Wie zuverlässig ein Modell die richtige Funktion mit den richtigen Angaben wählt, hängt vom Modell, von der Zahl der Funktionen und von der Qualität der Beschreibungen ab. Allgemeine Testwerte der Hersteller sagen wenig über Ihren Einzelfall.
Anthropic schreibt selbst, dass Modelle fehlende Angaben manchmal raten, statt nachzufragen. Dieses Verhalten ist nicht garantiert vorhersehbar. Eine Prüfung der Angaben in Ihrer Anwendung bleibt deshalb nötig, egal wie gut das Modell ist.
Häufig gestellte Fragen
Führt das Sprachmodell die Funktion selbst aus?
In der Regel nicht. Das Modell schreibt nur den Aufruf mit den passenden Angaben. Ihre Anwendung führt ihn aus und gibt das Ergebnis zurück. Einige Anbieter betreiben bestimmte Werkzeuge wie eine Websuche selbst, das ist aber die Ausnahme.
Was passiert, wenn dem Modell Angaben fehlen?
Gute Modelle fragen nach. Anthropic weist aber darauf hin, dass manche Modelle fehlende Angaben auch selbst ergänzen, etwa einen Ort, den der Nutzer nie genannt hat. Deshalb sollte Ihre Anwendung Pflichtangaben prüfen, bevor sie einen Aufruf ausführt.
Brauche ich für Function Calling ein bestimmtes Modell?
Die großen aktuellen Modelle beherrschen es alle. Bei kleinen Modellen, die Sie selbst betreiben, schwankt die Zuverlässigkeit stärker. Testen Sie vor dem Einsatz mit echten Anfragen aus Ihrem Alltag.
Quellen
Siehe auch: Model Context Protocol (MCP) , Agentic AI , Human in the Loop
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